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Oroya
Oroya
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Wir haben diese Chanukkia in den verwinkelten Gassen der Medina von Tunis gefunden – dort, wo die jüdische Präsenz seit über zwei Jahrtausenden fest im kulturellen Gefüge des Landes verwurzelt ist. Gefertigt aus massivem, handgegossenem Messing an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, ist dieses Objekt ein stolzes Zeugnis der maghrebinischen Handwerkskunst. Mit einer Höhe von etwa 20 cm besticht Oroya durch ihre archaische Formensprache. Die fünf markanten Bögen der Rückwand zitieren die maurische Architektur und stehen für die Symbiose aus jüdischer Tradition und nordafrikanischer Lebenswelt.
Die Konstruktion offenbart ihre handwerkliche Herkunft: Die Rückwand ist traditionell mit kleinen Metallstiften am Sockel befestigt. Einer dieser Stifte ist im Laufe der Zeit verloren gegangen, lässt sich jedoch mühelos ersetzen, um die volle Stabilität wiederherzustellen. Anders als die filigranen Leuchter des Nordens strahlt dieses Stück eine erdige Beständigkeit aus; seine tiefe Patina erzählt von Festen, die in den hellen Innenhöfen der Medina gefeiert wurden.
Wir haben ihr den Namen Oroya gegeben. In der Sprache der Sepharden, dem Ladino, leitet sich dieser Name vom hebräischen Wort für Licht ab. Er steht nicht nur für das Leuchten der Flammen, sondern für die geistige Helligkeit und die Hoffnung, die diese Leuchter durch die Jahrhunderte getragen haben. Oroya ist eine Einladung, den Glanz einer fernen Welt in die eigene Gegenwart zu holen.
Die Geschichte der tunesischen Juden ist geprägt von einer tiefen Zäsur: Zählte die Gemeinschaft in den 1950er Jahren noch über 100.000 Mitglieder, so führte die politische Dynamik der Dekolonisierung und die Wellen der Emigration nach Frankreich und Israel zu einem drastischen Rückgang. Heute bewahren etwa 1.500 Menschen, vor allem auf der Insel Djerba, dieses lebendige Erbe. Es ist heute eine seltene Gelegenheit, ein solches authentisches Originalstück direkt auf den Märkten der arabischen Welt zu entdecken.
Diese Chanukkia ist kein bloßes Relikt, sondern ein Symbol für die Beständigkeit einer Kultur, die trotz aller Wanderungsbewegungen ihre Identität bewahrt hat. Nach ihrer Reise von der nordafrikanischen Küste suchen wir nun einen neuen Ort für dieses kostbare Stück. Wir hoffen, dass Oroya ein Zuhause findet, in dem ihre Geschichte verstanden wird und ihr Licht nach dieser weiten Wanderung wieder in neuer Geborgenheit erstrahlen darf.
